More than Honey – Dokumentation von Markus Imhoof
Das Wetter am Ostersonntag ist grau in grau – Zeit für einen Kinobesuch. Nicht ohne den Hintergedanken blühende Bäume zu Gesicht zu bekommen, gehen wir in den Dokumentarfilm “More than Honey”
von Markus Imhoof, der in Zürich im Riffraff läuft. Es ist eine gute Wahl. Der Film ist informativ und spannend zugleich. Mehr als einmal fragt man sich angesichts der sensationellen Aufnahmen aus dem Bienenstock und von Bienen im Flug: “Wie hat er das gemacht?”. Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof nutzt unter anderem moderne Animationstechnik um uns die Welt der Bienen nahe zu bringen. Der Bogen, den er dabei spannt, reicht von den Bienenvölkern eines Schweizer Bergbauern, der sich bemüht, die alte Landrasse zu erhalten und dabei an seine Grenzen stößt (auch seine Völker sterben an Bakterien) bis zu den riesigen Mandelplantagen in Kalifornien. Dort werden tausende von Bienenvölkern von einem Großimker im Sommer übers Land gefahren, je nach Region und Jahreszeit von einer Blüte zur nächsten. Dabei legen die Völker, eingesperrt in ihren Kisten, auf riesigen Trucks tausende von Kilometern zurück. Am Ende einer dieser tage- und nachtlangen Reisen konstatieren der Imker und seine Angestellten einen Verlust von 20 % der Bienenvölker: Sie haben die Tortur nicht überlebt.
Besonders berührend für jemanden, der sich wie ich mit Biografien beschäftigt, war auch noch eine ganz andere Ebene des Films: nämlich die biografische Komponente. Das Interesse für Bienen wurde in Markus Imhoof schon als Kind geweckt, auf den Obstwiesen seines Großvaters. Seine Tochter und sein Schwiegersohn wiederum leiten eine Bienenforschungsstation in Australien. Das Ziel ihrer Arbeit ist die Zucht von widerstandsfähigen Bienenvölkern. Um keinerlei Risiken einzugehen setzen sie ihre Zuchtbienen auf einer einsamen Insel aus, mehr als einen Bienenflug entfernt von nächsten Festland. Ein Leben für die Bienen.
Und die Antwort auf die Frage, woran die Bienen sterben? Imhoof konstatiert: Sie sterben nicht an einer einzelnen Ursache. Sie sterben an der Zivilisation. Wir verlangen ihnen zu viel ab. Die Hoffnung ruht nun auf einer neuen genetischen Vielfalt und vor allem auf den krankheits- und milbenresistenten sogenannten “Killerbienen” aus Afrika. Sie sind aggressiver als unsere europäischen Bienen, aber sie überleben.
Markus Imhoof ist mit “More than Honey” ist ein beeindruckendes Portrait der Bienen gelungen, mit dem er gleichzeitig uns Menschen den Spiegel vorhält. Dabei ist der Ton niemals moralisierend. Mein Tipp: unbedingt anschauen und den Honig wenn möglich beim Imker um die Ecke einkaufen.
Wo läuft “More than Honey” in der Schweiz? Hier klicken.

