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Artikel aus der Kategorie ‘Tagebuch’

Schreibblockaden überwinden …

… ist möglich. Doch manchmal geht es einem ungefähr so:

buchstabenherden

treiben übers papier

wie federvogelvieh mit

wippenden oberlängen wie

schafe über wortlücken springend

wie büffel über alle satzzeichen

hinwegpreschend

am meer machen sie halt

in salziger luft

und verdursten

mit blick

auf den horizont

Affenleben

So kann’s gehen: da haben wir Menschen geglaubt, zumindest unsere Krisen seien hausgemacht und typisch menschlich. Vor allem die Midlife-Crisis, seit den 70er Jahren in aller Munde und spätestens im Lebenslauf ab Mitte 30 zuständig für Kapriolen aller Art. Weiterlesen

Schlaf mal drüber

“Wer eine Nacht über ein komplexes Thema schläft, trifft die bessere Entscheidung. Laut Harvard-Forschern wägen wir Pro und Contra dabei unterbewusst ab.”

Wer kennt das nicht: Man grübelt stundenlang über einem Problem und geht schließlich frustriert und ohne eine Lösung gefunden haben zu Bett. Wohl dem, der in einer solchen Situation gut abschalten und einschlafen kann. Denn am nächsten Tag erwacht man dann mit größerer Wahrscheinlichkeit mit einem erfrischenden Gefühl der Klarheit.  Was zuvor die Gehirnwindungen so quälte erscheint plötzlich leicht und die Lösung ist gar nicht mehr so schwer.

Doch nicht nur Entscheidungssituationen, sondern auch kreative Prozesse brauchen eine Ruhepause. Manchmal reicht es auch, zwischendurch etwas anderes zu tun und zu denken um dann wieder zur ursprünglichen Kreativaufgabe zurück zu kehren. Das “drüber schlafen” ist aber immer noch am Effektivsten und bringt so gut wie immer neue Erkenntnisse und Perspektiven.

Was jeder selbst schon erfahren hat oder als Ratschlag an andere weiter gegeben hat (“schlaf mal eine Nacht drüber, morgen sieht die Welt ganz anders aus …”) hat Sozialpsychologen zu einem Experiment angeregt. Mehr dazu finden Sie hier und hier.

Kunst und Homöopathie

Wie man im letzten Jahr auf dem Sender Arte erfahren konnte, ist 1984 in Livorno, Italien, eine hübsche Geschichte passiert, die viel über die menschliche Psyche verrät – und über die Bereitschaft der Menschen, an etwas zu glauben. Livorno ist die Geburtsstadt des Künstlers Amedeo Modigliani. Und eine alte Geschichte besagte, dass dieser eines Tages von ihm gefertigte Skulpturen wütend im Kanal versenkt hätte, da seine Künstlerkollegen ihn wegen dieser Werke ausgelacht hätten. 1984 beschloss die Kuratorin des Museums, ein wenig im Kanal baggern zu lassen, auf dass man die verlorenen Skulpturen finden würde.

Man baggerte und baggerte, täglich kamen mehr Schaulustige und es war insgesamt ein vergnügliches Stelldichein. Drei Studenten hatten schließlich die Idee, einen eigenen Modigliani zu kreieren und im Fluss zu versenken. Gesagt, getan. Mit Hilfe einer Bohrmaschine schufen sie innerhalb weniger Stunden einen typischen Modigliani mit ovalem Kopf, langer Nase und kleinem Mund und ließen ihn in der Nacht in der Nähe des Baggers in den Fluss plumpsen.

Schon am nächsten Tag wurde der Kopf gefunden. Alle waren begeistert, froh und stolz, die Kuratorin zu Tränen gerührt. Professoren von verschiedenen italienischen Hochschulen bestätigten, wie einzigartig dieser Fund sei. Die Studenten freilich hatten nur einen Scherz machen wollen – waren jedoch keine Betrüger. Als dann auch noch eine Ausstellung organisiert wurde, gaben sie zu, die Skulptur mit Hilfe einer Bohrmaschine angefertigt zu haben. Die Sache hatte sich jedoch schon längst verselbstständigt. Keiner wollte die Version mit dem gefälschten Modigliani hören. Man warf den drei jungen Männern vor, sich nur wichtig machen machen zu wollen um diesen großartigen Fund irgendwie ins Lächerliche zu ziehen.

Plötzlich war es gar nicht mehr so einfach, die Wahrheit zu erzählen. Die Menschen in Livorno wollten sich ihren Modigliani nicht mehr wegnehmen lassen, verschiedene Professoren und Kunstkenner hatten bereits ihr Gesicht zu verlieren. Ein Foto, das die Studenten von sich und dem Kopf gemacht hatten, wurde als Fotomontage entlarvt, die Geschichte mit der Bohrmaschine schlichtweg nicht geglaubt. Erst als die drei vor laufenden Kameras einen weiteren echten Modigliani anfertigten, gelang es ihnen, das Publikum zu überzeugen.

Eine schöne Geschichte. Und sofort fängt man an zu überlegen, welche echten Scharlatane es wohl geben mag, denen die Menschheit aufgesessen ist und deren Lehre sich so verselbstständigt hat, dass dagegen nicht mehr zu machen ist. Erich von Däniken zum Beispiel, der seit Jahrzehnten munter die Mär von den Außerirdischen auf der Erde verkündet. Ihm sei zugute gehalten, dass er vermutlich selbst an den von ihm verzapften Unsinn glaubt.

Oder was würde passieren, wenn Sebastian Hahnemann, der Erfinder der Homöopathie, plötzlich aus dem Grab aufstehen und zugeben würde, das mit dem Verdünnen und dem Kreiseln und dem Schütteln habe er nur erfunden. Das sei in Wahrheit alles Quatsch. Ganz ehrlich, wer aus der großen Homöopathie-Gemeinde würde ihm glauben?

Der Placebo-Modigliani hatte auf Kunstfreunde eine ähnliche Wirkung, wie ein mit Wasser besprühtes Zuckerkügelchen auf einen Homöopathie-Anhänger. Der Kunstgenuss und die Selbstheilungskräfte sind in diesem Sinne etwas zutiefst Menschliches. Ob die Mittel “objektiv” wirksam sind ist im Grunde genommen völlig egal. Denn der Glaube versetzt bekanntlich Berge.

Der Keller

Aktuell steht mir diese Aufgabe bevor: Der Keller muss aufgeräumt und ausgemistet werden. Zuviel hat sich in den vergangenen Jahren angesammelt. Jedes Ding nehme ich in die Hand und stelle mir die Frage: Brauche ich es? Oder liebe ich es? Wenn ich nicht mindestens eine der beiden Fragen mit Ja beantworten kann, kommt es weg.

Das hat etwas Radikales an sich - und etwas Befreiendes. Im Alter sind es dann oft eine große Menge Dinge, die sich angesammelt haben und mit welchen eines schönen oder auch traurigen Tages die Kinder oder die Enkel konfrontiert werden. Und zu jedem Gegenstand, der aufgehoben wurde – vielleicht weil er geliebt wurde? – gehört eine Geschichte. Es sind diese Geschichten und Erinnerungen, die wertvoll für uns sind. Die Dinge können immer nur ein Anker sein, die Erinnerungen zu bewahren.

Der Baumstamm

Die Holzscheibe als Symbol für ein Leben. So mancher Baum könnte sogar die Geschichten mehrerer Generationen erzählen. Erlebte Geschichte ist kein Privileg von uns Menschen – wir haben nur das Privileg darüber reden zu können. Bäume erzählen ihre Geschichten auf andere Art und Weise. Umwelteinflüsse, ein harter Winter oder gar mehrere in Folge, ein Eingriff von außen – all das lässt sich im Nachhinein am Holz ablesen.

Doch auch ohne uns ihr Innerstes zu offenbaren sind Bäume Lebewesen, die uns Menschen inspirieren: Wer wünscht sich nicht, einmal in seinem Leben einen Baum zu pflanzen, der Früchte trägt? Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm! Und – Ja – viele von uns sind auf der Suche nach den Wurzeln und sehen dabei manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Wer sich immer mal wieder in die Gesellschaft von Bäumen begibt, der erfährt vielleicht, dass sie den Menschen viel ähnlicher sind, als man denkt.

Mögen tät’ ich schon wollen: Selbstmanagement mit dem Zürcher Ressourcen Modell

Wer über den Rubikon geht, tut einen entscheidenden Schritt. Das wissen wir spätestens seitdem Christian Wulff auf dem Weg zum Emir bei der Bild-Zeitung angerufen hat. Auch ich soll heute über den Rubikon gehen. Doch der liegt nicht in Italien, sondern in mir. Als Feldherr in eigener Sache sozusagen. Der Rubikon steht dabei als Metapher dafür, sich unwiderruflich auf eine Sache und ein Ziel einzulassen und das gesamte Wollen, Denken und Handeln primär in den Dienst meiner Intention zu stellen. Weiterlesen

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