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Die eigene Biografie schreiben – das Leben als Vorlage

auf der Terrasse ca 1939Immer mehr Menschen tragen sich irgendwann mit der Idee, ihre Lebenserinnerungen aufzuschreiben, wissen aber nicht recht, wie sie es anfangen sollen. Doch leider – oder zum Glück für mich als Biografin – die Vorlage für eine Biografie gibt es nicht.

Und so wird man bei seinem Vorhaben immer wieder mit dem Problem konfrontiert, Struktur in die eigene Gedankenwelt zu bringen. Dabei ist die nahe liegendste nicht unbedingt die schlechteste Lösung: Viele wenn nicht die meisten Lebenserinnerungen sind chronologisch aufgebaut: Kindheit, Herkunftsfamilie mit Eltern und Geschwistern, Schuljahre, Ausbildung oder Studium, Lebenspartner/Ehe und wieder Familie, Beruf, Karriere und dazu je nachdem chronologisch einsortiert: Reisen, Krisen, Krankheiten, Glücksfälle und Schicksalsschläge.

Familienbild 8. Juni 1941 Leipzig ref. Kirche Taufe JulchenDoch manch einem reicht das nicht. Irgendwie ist nicht alles gleich bedeutend und langweilen will man seine Leser (und seien es Familienmitglieder) ja auch wieder nicht. Es fehlt ein wenig kreativer Pfiff, das besondere Etwas. Oder es fehlt auch einfach nur der ”Mut zur Lücke”.

Das ist wenig erstaunlich. Als Experte für das eigene Leben ist die Aufgabe, die eigene Geschichte zu Papier zu bringen, leicht und schwer zugleich: Es ist leicht, weil man alle Fakten kennt und es ist schwer, weil man alle Fakten kennt. Fakten (Namen, Orte, Jahreszahlen) können blind machen für die Essenz der eigenen Biografie. Für die spannenden Querverbindungen und Erkenntnisse, derer man sich gar nicht mehr bewusst ist, weil sie zu einem gehören wie die Augenfarbe oder die Adern auf dem Handrücken.

Ein Tipp, wenn Sie bei Ihrem Vorhaben gar nicht weiterkommen: bitten Sie doch einmal Jemanden darum, Ihnen Fragen zu Ihrem Leben zu stellen. Nehmen Sie das Gespräch auf und hören Sie sich anschließend selbst zu. Wenn Sie einen guten Fragensteller gefunden haben, hilft Ihnen dieser Perspektivwechsel dabei, neue Ideen zu entwickeln, worauf es bei Ihrer Biografie ankommt, was Sie hineinschreiben und was Sie weglassen möchten.

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